Dippoldiswalde (Sachsen)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Fotos ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 30.07.2021

1882 erhielt Dippoldiswalde, das Tor zum Osterzgebirge, einen Eisenbahnanschluss. Der Ort wurde Teil der Weißeritztalbahn, Sachsens zweitältester Schmalspurbahn, die Hainsberg und Kipsdorf verbindet. Dippoldiswalde liegt an der Weißeritz, einem unberechenbaren Flüsschen, das zu stark schwankenden Wasserextremen neigt. Es können 200 Liter pro Sekunde sein (extreme Trockenheit) oder 289.000 Liter pro Sekunde (Hochwasser). Deswegen setzten sich Bürger und Unternehmer massiv für den Bau der Talsperre Malter ein, der nach langem Palaver 1913 endlich abgeschlossen werden konnte.

Ratsmühle B. Heise (1906)

Ratsmuehle Dippoldiswalde, Foto: Martin Schramme, 2019 Ratsmuehle Dippoldiswalde, Foto: Martin Schramme, 2019 Ratsmuehle Dippoldiswalde, Foto: Martin Schramme, 2019

Die Ratsmühle an der Weißeritz dümpelt schon etliche Jahre vor sich hin, steht leer und verfällt.

Pneumatik Hydraulik Dippoldiswalde

Pneumatik Hydraulik Dippoldiswalde, Foto: Martin Schramme, 2019

Stadt und Eigentümer waren sich Medienberichten zufolge zumindest bis 2015 nicht eben wohl gesonnen. Immer wieder ging es um die Frage, wie das Areal zu nutzen wäre. Die Vorstellungen schwankten zwischen Erhalt und Abriss. Bis zum Herbst 2017 hatte REWE offenbar Interesse daran, auf dem Gelände einen Lebensmittelmarkt zu bauen. 2018 waren dann Aldi und das Dänische Bettenlager im Gespräch.
Hydraulikteile werden nach wie vor in Dippoldiswalde produziert, seit 2016 unter dem Namen Dowaldwerke (Griessbach-Gruppe).

Hafernährmittelfabrik Louis Schmidt Dippoldiswalde

Hafernaehrmittelfabrik Louis Schmidt Dippoldiswalde, Foto: Martin Schramme, 2019 Hafernaehrmittelfabrik Louis Schmidt Dippoldiswalde, Foto: Martin Schramme, 2019

"Hafermehl Marke Pflug" stand noch im Sommer 2019 in Reliefschrift samt Pflugdarstellung an der Ruine der Hafernährmittelfabrik Louis Schmidt in Dippoldiswalde. Das 1850 gegründete Unternehmen warb einst mit "Gebirgshafermehl" und mit dem Verweis auf das Wohl der Kinder ("für Magenkranke"). In der DDR (1949-1990) lief die Produktion weiter, nun im volkseigenen Betrieb VEB Pflug Hafernährmittel Dippoldiswalde. Zu den Produkten gehörte die Rohkost-Haferflocke "haroh". 2014 wurden Teile des Gebäudekomplexes abgerissen.

Seifersdorf

Fabrik an der Roten Weißeritz

Fabrik an der Weisseritz, Foto: Martin Schramme, 2019

Dieses Objekt war in der DDR offenbar Teil des VEB Polstermöbel Oelsa im VEB Kombinat Polstermöbel Rabenau-Oelsa. 1991 gingen in Seifersdorf die Lichter aus. Es folgten Jahrzehnte des Verfalls. 2002 flutete das Hochwasser der Roten Weißeritz über das Gelände. Am 11.12.2019 berichtete die "Sächsische Zeitung" davon, dass das Areal an die Stadt Dippoldiswalde gefallen ist, nachdem die Erben ausgeschlagen haben. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung&qot; am 12.02.2020 schrieb, hatten im Dezember 1981 DDR-Staatschef Erich Honecker und BRD-Staatschef Helmut Schmidt auf einem besonders exquisiten Stück aus sächsischer Polstermöbelproduktion im Schloss am Werbellinsee platzgenommen. Das Model "Potpourri" soll 9200 Mark gekostet haben. Seitdem ist von Abriss die Rede. Wer weiß etwas über die Bauzeit des Objekts? Bitte hier melden!

Betriebe in der DDR (1949-1990)
VEB Armaturenfabrik Dippoldiswalde "Sanar"
VEB Hydraulik Dippoldiswalde (ein Betrieb des VEB Kombinat ORSTA Hydraulik)
VEB Osterzgebirgische Papierverarbeitung Dippoldiswalde (Polypack)
VEB Pflug Hafernährmittel Dippoldiswalde

Wirtschaft in Dippoldiswalde vor 1945
Dopplungen sind möglich, zum Beispiel wenn eine Firma unter abweichenden Namen aufgetreten ist.
Adolf Janßen (alleinige Anbieter der MARTA-Brotschneidemaschine)
Armaturenwerke Blanke & Rast Dippoldiswalde (Spezial-Erzeugnisse: alle Öler und Armaturen für Automobil- und Flugzeugbau sowie alle Maschinen)
Blanke Armaturen GmbH (gegr. 1887, Qualitätszubehör für Werkzeugmaschinen)
Blanke & Rast Amarturen-Fabrik und Metallgießerei Leipzig-Plagwitz Zweigwerk Dippoldiswalde bei Dresden (Spezial-Erzeugnisse: Armaturen für Flugzeuge und Luftschiffe, ferner für Automobile, Lastkraftwagen und Unterseeboote, Hähne, Vergaser, Reduzierventile, Benzinseiher, Luftpumpen, Leisten, Zentralöler sowie Maschinen- und Kessel-Armaturen für Schiffe, Lokomotiven usw., Schmierpressen, Schmierapparate für Fett und Öl, Tropföler, Staufferbüchsen, Sauerstoffreduzierventile, Dochtöler, Ölstandsanzeiger, Ölpumpen, Kompressionsöler, Schmierhähne, Ablaßhähne usw.)
F. Adolf Liebel, Cementwaarenfabrik und Sandsteinbruch-Besitzer
F.O. von Winckler Nachf. H. Michel (Geflügelfarm, Spezialproduktion biologischer Jodeier)
Hafernährmittelfabrik Louis Schmidt Dippoldiswalde (gegr. 1850, Fabrik für Haferpräparate und Hülsenfruchtmehle, Pflug Hafermehl)
Oskar Braune Holz- und Kohlen-Großhandlung
Paul Dersch Betonwarenfabrikk, Bauwarenhandlung und Eisenträgerlager (eigener Fuhrpark und Anschlußgleis)
Stroh- und Filzhut-Fabrik Arthur Reichel Dippoldiswalde (1926 als Wäscherei gegr., seit 1930 Hutfabrik, hergestellt wurden Stroh- und Filzhüte für Damen, Mädchen und Kinder sowie Strohhüte für Herren und Knaben)
Stuhlfabrik Tietze & Legler
Talsperre Malter mit Elektrizitätswerk
Weisseritztalwerk AG (gegr. 1922, Werkzeugmaschinenbau und Holzbearbeitung, Sonder-Erzeugnisse: Leitspindel-Drehbänke, Nutenzieh- und Räummaschinen)

Eintrag im Brockhaus-Lexikon von 1894: An der Roten Weißeritz und an der Nebenlinie Hainsberg-Kipsdorf der Sächsischen Staatsbahnen. Fachschule für Müller und Mühlenbauer; Lohgerberei und Töpferei, Schuhmacherei, Strohflechterei, Fabrikation von Holzwaren, Strohhüten und landwirtschaftlichen Maschinen.

Quellen
dhm.de
oldthing.de
picclick.de
pm-oelsa.de
Sächsische Zeitung
taeterwerkstatt.jimdofree.com

Begriffslegende
VEB = Volkseigener Betrieb

 

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