Italien

Artefakte - Stille Zeugen der Geschichte
Fotos: Martin Schramme - Keine Verwendung ohne Nachfrage!
Letzte Änderung: 8.2.2026

Noch im Mittelalter war Italien führend in der Papierherstellung und auch die Textilindustrie erlebte eine beachtliche Blüte. Auch das Bankwesen war bedeutend und durch den Handel sammelte sich einiger Reichtum an. Doch im Zeitalter der Industrialisierung gaben England, Deutschland und Frankreich den Ton an. Italien kam schwer in Tritt und Mitte des 19. Jahrhunderts lag das Industriezentrum noch in Neapel, wo sich Eisenwerke, Werften und Maschinenfabriken konzentrierten. Aus politischen Gründen verlagerte sich das Zentrum nach Norditalien, wo unter anderem die Pirelli-Gummiwerke (Mailand) entstanden. Derweil blieb der Süden des Landes eine weitgehend abgehängte Agrarregion, die dem Importdruck billigen Getreides aus den USA nicht standhalten konnte.

Die beeindruckende Geschichte Italiens hat zahlreiche Patifakte hinterlassen. Wer sich für Lost Places interessiert, findet in Italien geradezu paradiesische Zustände. Wunderschöne Villen sind ebenso zu finden, wie gruselige Altindustrieanlagen.

Bologna (Region Emilia-Romagna)

Bologna hat eine beeindruckende Altstadt und eine der ältesten Universitäten der Welt. Wie in etlichen anderen italienischen Städten, genannt seien als Beispiel Florenz, Pisa und San Gimignano, so haben die Italiener auch in Bologna beeindruckende Türme gebaut. Im Mittelalter hatte die Stadt um die 180 so genannte Geschlechtertürme.

Artefakte Bologna

Verona (Region Venetien)

Verona liegt an einer S-Kurve des Etsch, einst der Fluss an der Südgrenze des Deutschen Reiches (Deutschland-Lied: "Vom Etsch bis an den Belt"), und gilt als die romantischste Stadt Italiens, auch weil Shakespeares bekanntes Liebesdrama "Romeo und Julia" dort spielt. Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Artefakte Verona

Florenz (Toskana)

Florenz, die Wiege der Renaissance mit weltbekannter historischer Silhouette, Wirkungsstätte der Medici, war im 15. und 16. Jahrhundert als Zentrum des Handels- und Finanzwesens eine der reichsten Städte Europas. Als Gründer der Stadt gilt Julius Cäsar, der um das Jahr 59 vor Christus eine Kolonie mit dem Namen Florentia (römische Göttin der Blumen und des Pflanzenwachstums) anlegen ließ. Florenz war einst ein wichtiger Standort der Textilindustrie. Heute stützt sich die Stadt ganz wesentlich auf den florierenden Tourismusbetrieb. Die Stadt ist aber nach wie vor ein wichtiger Handelsplatz und die bekannte Nobelmarke Gucci hat ihren Sitz in Florenz. In der Nachbargemeinde Sesto Fiorentino arbeitet seit 1920 der Kaffeemaschinenhersteller Eureka.

Wassertürme am Hauptbahnhof Santa Maria Novella

Wasserturm am Hauptbahnhof Santa Maria Novella, Foto: Martin Schramme, 2023 Wasserturm am Hauptbahnhof Santa Maria Novella, Foto: Martin Schramme, 2023 Wasserturm am Hauptbahnhof Santa Maria Novella, Foto: Martin Schramme, 2023 Wasserturm am Hauptbahnhof Santa Maria Novella, Foto: Martin Schramme, 2023

Wirtschaft und Leben in Florenz um 1894 gemäß Brockhaus-Lexikon
Die ehemals blühende Industrie der Stadt war sehr gesunken, hat sich aber neuerdings wieder beträchtlich gehoben. Strohhüte und Seidenwaren werden noch immer in Mengen verfertigt, während die Fabrikation von Wollwaren und Sammet verschwindend gering ist. Bemerkenswert sind die Arbeiten in Marmor, Alabaster, florentin. Mosaik (wovon eine große Fabrik durch einen reichen Stiftungsfonds unterhalten wird). Florenz liegt an den Linien Bologna-Florenz-Chiusi-Rom und Florenz-Borgo-San Lorenzo sowie Florenz-Pisa-Livorno. Den Stadtverkehr vermitteln acht Straßenbahnhauptlinien mit Pferde-, Dampf- oder elektrischem Betrieb, letzterer auf der Linie vom Markusplatz nach Fiesole, ferner zahlreiche Omnibuslinien vom Domplatz und der Piazza della Signoria nach allen Thoren und verschiedenen anderen Plätzen.

Betriebe in Florenz vor 1945
Adolfo Mannucci Fornitore di Materiale da Construzione, Transporti a domicilio, Firenze, Via Arentina 414 (Lieferant von Baumaterialien, Haustransport)
Bocci - Fazzini & C., Prodotti Chimici, droghe ed affini, Firenze, Via Palazzuolo 70-72 (Chemikalien, Medikamente und ähnliche Produkte)
Ditta Dr. Alessondro Bizzarri Soc. Acc. A. & G. Pucci & C., Laboratorio Chimico Farmaceutico, Prodotti Chimici, Prodotti Puri per Analisi, Prodotti per Enologia, Specialita Medcinali, Droghe Coloniali Mesticheria, Profumeria, Firenze, Piazza della Signoria 5 (gegr. 1842, Geschäft Dr. Alessondro Bizzarri, Chemisch-Pharmazeutisches Labor, Parfümerie)
F. I. A. R. A. Furniture Industriali Accessori Ricambi Auto Borghero & Marca, Firenze, Via Nazionale 9 (Möbel, Industrielles Zubehör, Autoteile)
Fratelli Alari, vetri cristalli specchi, argentatura, molatura (Spiegel aus Kristallglas, Versilbern und Schleifen)
Fratelli Bianchelli, Emporio Franco-Italiano, Roma e Firenze (Neuheiten und Artikel für Haushaltszwecke)
Giovanni Horvat Firenze, Industria - Giocattoli, Importazione, Firenze, Via dei Benci 15, Piazza Peruzzi 5 (Industriespielzeug, Import)
Latteria Guido Corti, Firenze, Via Aretina (Molkerei)
L. Manetti-H.Roberts & C., Societa Italo-Britannica, Firenze (Chemiefirma)
N. Cigna Fabbrica di Piumini da cipria ed affini (Puderquasten-Fabrik)
Pasquale Portone Industria Cartonaggi (Kartonage-Fabrik)
Pierallini, Turchi & C., Fonderia di Catteri, Mobilificio Tipografico, Firenze, Via dei Bruni (Typographische Möbelfabrik)
Premiato Stabilimento Pirotecnico di Agostino Tazzi, Firenze, Via Pisana 69 (preisgekrönte pyrotechnische Anlage)
Sidol Company Fabrica Italiana di Lucidi per Metalli ed Affini, Firenze, Via della Torretta 15 (Sidol ist ein Metallpoliturmittel der deutschen Firma Chemische Fabrik Siegel & Co. in Kön)
Umberto Pani &. C., Firenze, Via Ricasoli 67-69 (Grossist für Schreibwaren- und Zeichenartikel)

Die Wassertürme mit Ringlokschuppen und Drehscheibe bei Google Maps

Siena (Toskana)

Siena vermittelt den Eindruck einer mittelalterlichen Stadt. Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Die Banca Monte dei Paschi di Siena, gegründet 1472, ist die älteste noch existierende Bank der Welt.

Alter Wasserturm am Depot des Bahnhofs von Siena

alter Wasserturm am Bahnhof von Siena, Foto: Martin Schramme, 2023 alter Wasserturm am Bahnhof von Siena, Foto: Martin Schramme, 2023 alter Wasserturm am Bahnhof von Siena, Foto: Martin Schramme, 2023

1850 bekam Siena einen Bahnhof, nachdem 1844 der Bau der Bahnstrecke Florenz-Empoli-Siena begonnen worden war. 1914 kam man zu dem Schluss, dass der Bahnhof neu konzipiert werden müsste, um den Erfordernissen der Zeit zu entsprechen. Doch erst Ende 1935 konnte der neue Bahnhof übergeben werden. Alle vorbereitenden Arbeiten und Streitigkeiten hatten sich so lange hingezogen. Für die Versorgung der Lokomotiven, aber auch für den sonstigen Wasserbedarf am Bahnhof errichtete man zwei Wassertürme.

Wirtschaft und Leben in Siena um 1894 gemäß Brockhaus-Lexikon
An der Linie Empoli-Chuisi des Mittelmeernetzes, liegt auf drei in einem Knoten zusammenstoßenden, aus Thonerde bestehenden Hügeln. Meist enge und krumme Straßen. Die Industrie erstreckt sich auf Seidenwebereien, Fabrikation von Wollstoffen, Leinen- und Hanfgeweben, Hüten, Spiritus und Rübenzucker.

Trient (Trentino-Südtirol)

Trentino gehört heute zu den wohlhabendsten Regionen Italiens. Die Lage am Etsch und der Brenner-Autobahn sind optimal für die Stadt in den Bergen.

"Erste Trentiner Fabrik für Portland-Zement Domenico Frizzera" (gegr. 1911)

zwei Schornsteine erinnerten noch 2024 an eine 2018 abgerissene, mehr als 100 Jahre alte Zementfabrik, Foto: Martin Schramme, 2024 zwei Schornsteine erinnerten noch 2024 an eine 2018 abgerissene, mehr als 100 Jahre alte Zementfabrik, Foto: Martin Schramme, 2024

Zwei Schornsteine am Fluss Etsch in Trient sind der traurige Rest der ehemaligen Zementfabrik des italienischen Konzerns Italcementi. Die riesigen Schlote erinnern an die Aktivitäten der Unternehmerfamilie Frizzera, die um 1900 den Bau einer Portlandzementfabrik anschoben, die 1910 endlich im vollen Umfang funktionierte. Ziel: Zement herstellen und Ziegel. Kalk und Zement wurden in jenen Zeiten aktiver Bautätigkeit in großen Mengen benötigt und bis zum Aufbau der eigenen Bauindustrie teuer und kompliziert aus Tirol, Kärnten und der Steiermark herangeschafft. 8000 Jahrestonnen Zement kamen nun aus der neuen Anlage in Trient, die seit 1911 als GmbH unter dem Namen "Erste Trentiner Fabrik für Portlandzement Domenico Frizzera" registriert war. Doch der Erfolg war dem Unternehmen nur kurz beschieden. 1913 laut werdende Beschwerden über Rauch und Staub waren noch zu verschmerzen, aber der Erste Weltkrieg (1914-1918) führte zur Stilllegung der Zementfabrik und zur fast vollständigen Ausschlachtung von Technik und Materialien. 1919 befand sich die Fabrik in Liquidation, was die Konkurrenz von der Società Anonima Calci e Cementi aus Bergamo ausnutzte, um das Werk zu kaufen. 1927 gab sich der neue Eigentümer den Namen Italcementi.

Nach dem Abriss der Fabrikanlagen 2013 folgte 2018 der Beschluss, das Areal zu rekultivieren. 2020 feierte Stadtrat Michael Brugnara, dass nach 20 Jahren der Diskussion um die Sanierung des Altindustriestandorts im Stadtteil Piedicastello ein konkreter Nutzungsplan vorliegt. Die Stadtplaner von Patrimonio del Trentino S.p.a. wollen ein Ausstellungs- und Multifunktionszentrum, Wohnungen, einen großen Parkplatz sowie ein Studentenwohnheim bauen. Im April 2022 war nur der Parkplatz gebaut.

Wirtschaft und Leben in Trient um 1894 gemäß Brockhaus-Lexikon
Die Industrie erstreckt sich auf Seidenfabrikation, Salamifabriken, deren Produkte nach Österreich und Deutschland unter dem Namen Veroneser Salami versendet werden; ferner Spielkarten- und Geschirrfabriken, Gerbereien und Färbereien, Tuchfabrik, Weinfabrikation, große Branntwein- und Konfitürenfabriken, die viel Absatz nach Oberitalien und Bayern haben, Möbeltischlereien, Marmor- und Gipsbrüche, sehr bedeutenden Weinbau und Transithandel.

Betriebe in Trient vor 1945
F. P. Hamberger, Rosenheim GmbH (Fabriken in Rosenheim und Trient in Südtirol, Fabrikation von Zündhölzern, Wichse und Harzprodukten, Schneidsäge und Thonwerk, etabliert 1864)

Bericht über die Historie der Zementfabrik (italienisch)

Empoli (Toskana)

Wirtschaftlich bedeutend für Empoli sind die Möbel-, Lebensmittel-, Textil- und Glasindustrie. Grünes Glas und Artischocken (carciofo empolese) - damit verbindet Empoli, wer von der Stadt in der Toskana schon gehört hat. Die Zeiten wo der Arno eine wichtige Wasserverkehrsader war und Schiffe zwischen Fiesole, Florenz und Pisa verkehrten, sind lange Geschichte.

Chemiefabrik Parri & Montepagani, vorher Glasfabrik (1908-1985)

Loesungs- und Duengemittelfabrik in Empoli, Foto: Martin Schramme, 2023 Loesungs- und Duengemittelfabrik in Empoli, Foto: Martin Schramme, 2023
Blick auf die Fabrik durch die extrem verschmutzten Scheiben eines italienischen Regionalzuges

Die alte Chemiefabrik an der Via Pratignone und direkt neben der Eisenbahn im Stadtteil Ponzano von Empoli war 2023 nur noch eine Ruine und wegen ihrer prominenten Lage immer wieder Fotoobjekt. Das Areal ist unter dem Namen Montevivo bekannt und man produzierte hier einst Lösungsmittel und Kunstdünger. Montevivo produzierte Schwefelsäure, mineralisches Superphosphat, Superphosphatacetat (schnell wirksamer Phosphordünger), Kupfersulfat, Schädlingsbekämpfungsmittel und chemische Düngemittel unter Verwendung von Pyrit als Rohstoff. Das Online-Medium "met" schrieb am 17. März 2016 von großen Mengen Pyrit, die auf dem Gelände lagern und bei Regen bis in den Arno fließen. Auch war von dem Verdacht die Rede, das Baumaterialien der Fabrik Asbest enthalten könnten.

Vor der Nutzung als Chemiefabrik soll in der Fabrik Glas produziert worden sein. Für die Herstellung insbesondere von grünem Glas ist Empoli berühmt. Berichte darüber reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Eine erneute Blüte erlebten die Glashersteller im 19. Jahrhundert. Der Bau der Eisenbahn zwischen Florenz und Pisa gab dem Industriezweig zusätzlichen Schub bei der Produktion vornehmlich von Flakons und Flaschen.

Seit 1989 ist von Rekultivierung die Rede, aber bisher schlug man sich im wesentlichen mit Problemen im Zusammenhang mit dem kontaminierten Böden der Fabrik herum. Teile der Fabrik wurden abgerissen, aber von dem seit 2004 angekündigtem Wohn- und Gewerbegebiet war auch Anfang 2023 nichts zu sehen. Dem Vernehmen nach war die Umsetzung des Vorhabens bisher zu kompliziert und teuer. Einem neueren Bericht des Journals "La Nazione" zufolge, gibt es inzwischen neue Technologien, welche die Dekontaminierung und den Abriss der Fabrikruinen sowie die Neubebauung wirtschaftlich interessant machen könnten. 2023 gab es erneut Pläne, eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen zu organisieren. Zu den Interessenten gehörte unter anderem die italienische Supermarktkette CONAD.

Wirtschaft und Leben in Empoli um 1894 gemäß Brockhaus-Lexikon
An den Linien Florenz-Pisa-Livorno und Empoli-Chiusi des Mittelmeernetzes, in fruchtbarer Ebene ("Kornkammer Toscanas"); Baumwollfabriken, Gerbereien, Strohflechtereien, Fayence-, Glas-, Leder- und Maccaronifabrikation.

Betriebe in Empoli vor 1945
Bartolucci & Busoni confezioni (Süßwaren)
Cecchi & Faraoni Getreidehandel
Corti Giuseppe & Fratelli Getreidehandel
"Etrusca" Societa Anonima Capitale Soc. L. (ESA, Vetreria Etrusca S. p. A., Produkte: nackte und bekleidete Korbflaschen, Flaschen, Flakons, künstlerische Gläser)
Fabbrica di Vetri di Carlo del Vivo, Empoli (Glasfabrik, Herstellung von Flaschen und Fläschchen)
Fucini & C., segheria (Sägewerk)
Moretti, Parri & Montepagani banco (Bank)
Parri & Montepagani (Chemiefabrik)
Rousseau A. & Figlio, fabbrica surrogati caffé (Surrogat-Kaffee-Fabrik)
Vetreria E. Taddei & C. (Glasfabrik)
Vitrum-Glasfabrik, Empoli, Via Ricasoli

Video von den Ruinen der Fabrik (Youtube)

Fabrik bei Google Streetview

Luftbild der Fabrik bei Google Maps

Catania (Sizilien)

Catania ist eine Stadt auf der Mittelmeer-Insel Sizilien am Fuße des Vulkans Ätna, deren Geschichte massiv von der gesonderen geographischen Lage in einer geotektonisch besonders aktiven Zone nachhaltig geprägt wurde. Unmittelbar im Zusammenhang mit dem Vulkanismus kann der einst bedeutende Abbau von Schwefel gesehen werden.

Azienda Gas Catania (1938)

Catania Gas 1938, Foto: Martin Schramme, 2025

Alte Hausgasanlage in Catania von 1938.

Eintrag über Catania im Brockhaus von 1894
Hauptstadt der Provinz Catania, die schönste und nach Palermo bevölkerste Stadt der Insel Sicilien, von 8 km Umfang, regelmäßig gebaut und überall reinlich (Catania la bella), liegt an einer Bucht des Ionischen Meeres und an den Linien Messina-Syracus und Aragona-Caldare-Catania der Sicilianischen Eisenbahn, in der sehr fruchtbaren und herrlich angebauten Campagna di Catania, der Kornkammer Siciliens, am südöstlichen Fuße des Ätna. Durch Ausbrüche desselben und Lavaströme, durch Erdbeben und Erschütterungen wurde sie wiederholt fast gänzlich zerstört, aber stets regelmäßer und schöner wieder aufgebaut. (..) Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Leinen-, Baumwoll- und Seidenzeugen, Waren aus Bernstein, Lava, Holz und Marmor, gebleichtem Wachs, Olivenöl und span. Saft aus Süßholz, der Handel auf Getreide, Südfrüchte, Wein, Öl, Seide, Holz, Soda, Schnee vom Ätna und die einheimischen Fabrikate; die Fischerei beschäftigt 2000 Personen.

Im "Lexikon A-z in einem Band" des VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR) aus dem Jahr 1954 ist zu lesen: "Provinz-Hauptstadt an der mittleren sizilianischen Ost-Küste, am SO-Fuß des Ätna; (1951) 300.300 Einwohner; wichtiger Ausfuhrhafen; Universität; landwirtschaftlicher Handel; Industrie: Textilien, Konserven, Schiffbau; Fremdenverkehr. 1943 umkämpft und stark zerstört."

Palermo (Sizilien)

Palermo ist die Hauptstadt Siziliens und weist eine äußerst wechselvolle Geschichte auf. Wenn wir davon sprechen, wer den Ort beherrschte, so begann alles mit den Phöniziern. Es folgten die Karthager, die Römer, die Odoaker und Ostgoten (also Germanen), Byzantiner, Araber, Normannen, Spanier und schließlich Italiener. Die attraktive Küstenlage auf der bergigen Insel mitten im Mittelmeer weckte bei vielen Begehrlichkeiten.

Schmuckgeschäft "Oreficeria U. Zito"

altes Schmuckgeschaeft in Palermo, Foto: Martin Schramme, 2025 altes Schmuckgeschaeft in Palermo, Foto: Martin Schramme, 2025 altes Schmuckgeschaeft in Palermo, Foto: Martin Schramme, 2025

Das Bild zeigt ein altes Schild mit der Aufschrift "Oreficeria U. Zito". Es handelt sich um ein Schild, das auf ein Geschäft hinweist, welches sich auf Schmuck spezialisiert hat. 

Über die Industrie in Palermo schreibt das Brockhaus-Lexikon, erschienen 1894 in Leipzig, das Folgende: "Die Industrie ist besonders vertreten durch die Fonderia (Gießerei) Oretea, der Reederfirma Florio-Rubattino gehörig; auch werden in Palermo Tischplatten aus Marmormosaik und gute Handschuhe gefertigt. Der Großhandel wird teilweise von ansässigen Fremden betrieben, Engländern, Deutschen und Schweizern. Die hauptsächlichen Ausfuhrartikel sind Agrumi, Essenzen und Pflanzensäfte, Olivenöl, Weinstein, Farb- und Gerbstoffe, darunter hauptsächlich Sumach, Schwefel, Wein. Von Einfuhrartikeln sind zu nennen: Kaffee, Zucker, der nicht mehr aus England und den Niederlanden kommt, sondern aus Ancona und Sampierdarena bei Genua, Tabak, Steinkohlen aus England, Baumwollfabrikate, Schafwollstoffe aus Frankreich und England, Seidenstoffe aus Frankreich, Glas, Thongeschirre und Porzellan. Die Einfuhr von Eisen und Eisenwaren sinkt, die von Maschinen steigt. Bedeutend ist auch der Thunfischfang und der Handel von in Öl eingemachtem Thunfisch.

Hintergrund zur Reederei Florio-Rubattino: Die Reederei Rubattino war eine 1835 durch Raffaele Rubattino aus Genua gegründete Schifffahrtsgesellschaft. 1860 unterstützte das Unternehmen den "Zug der Tausend" zur Befreiung Siziliens von den Spaniern und später den italienischen Kolonialismus. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam es 1882 zur Fusion mit der Reederei Florio in Palermo.

Weitere Begriffe: Agrumi = Zitrusfrucht; Weinstein = Salz der Weinsäure, das sich bei der Lagerung von Wein am Boden oder Korken ablagert; Sumach = mediterrane Gewürzpflanze.

Im "Lexikon A-z in einem Band" des VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR) von 1954 heißt es: "Italienische Provinz-Hauptstadt an einer Bucht der Nordküste Siziliens; vom Monte Pellegrino (600 m) überragt, inmitten der von Bergen umgebenen, sehr fruchtbaren Ebene Conca d'Oro; (1951) 501.000 Einwohner; vielbesucht wegen prächtiger Lage, milden Klimas und schöner normannischer und Barockbauten. Wichtigster sizilianischer Hafen, Bahnknoten, Flugplatz; bedeutender Handel; Industrie: Maschinen, Nahrungsmittel, Tabak; Kunstgewerbe."

Quellen
Brockhaus Konversationslexikon von 1894

Quellen Florenz
rheinische-industriekultur.de

Quellen Trient
comune.trento.it
greendeal-arv.eu
patrimoniotn.it
piedicastello.tn.it

Quellen Empoli
Statistisches Jahrbuch der Agrarchemikalien von 1934
industrialeweb.com
lanazione.it
toscananelcuore.it/de/muve-glasmuseum/
vetreriaetrusca.it

Links
faszinierendes Bologna (Youtube)