Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern)

Artefakte - Denkmale deutscher Geschichte
Fotos: Martin Schramme | Keine Verwendung der Bilder ohne Nachfrage!
letzte Änderung: 14.10.2021

Ribnitz und Damgarten sind seit 1950 vereint durch eine Gebietsreform der DDR. Ribnitz entwickelte sich aus einer slawischen Siedlung und der Name bedeutet "Fisch". Damgarten entwickelte sich an einem alten Ort mit Burg und Eichen. Zwischen 1830 und 1878 erlebten die beiden Orten einen Boom im Holzschiffbau. Als Stahl das Holz ablöste im Schiffbau, kam das Ende für die Werften in Ribnitz und Damgarten. In der NS-Zeit entwickelte sich in Ribnitz eine Flugzeugfabrik und in Damgarten ein Fliegerhorst. Trotzdem es sich um militärische Objekte handelte, blieb den beiden Orten das Schicksal vieler anderer deutscher Städte erspart. Heute präsentiert sich die Stadt Ribnitz-Damgarten als Bernsteinstadt.

Bestwood / VEB Faserplattenwerk / Flugzeugwerk Walther Bachmann

Bestwood, Foto: Martin Schramme, 2020 Bestwood, Foto: Martin Schramme, 2020 Bestwood, Foto: Martin Schramme, 2020 Faserplattenwerk Bestwood in Ribnitz-Damgarten, Foto: Martin Schramme, 2020 Bestwood, Foto: Martin Schramme, 2020 Bestwood, Foto: Martin Schramme, 2020

Noch im Dezember 2019 befasste sich die "Schweriner Zeitung" mit dem Treuhand-Skandal "Faserplattenwerk Westwood" in Ribnitz-Damgarten: "Nach fast 25 Jahren wird eine der gröten Privatisierungspleiten in MV zu den Akten gelegt." (Quelle: https://www.svz.de/26609762) 1996 hatte sich der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern mit dem Fall beschäftigt. Die Angelegenheit schlug sogar bundesweit Wellen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" titelte am 5.2.1996 "Nutzlos versickert" und berichtete, die Landesregierung in Schwerin, der Bund und die Treuhand hätten fast 300 Millionen Mark in die "Pleite-Fabrik" gesteckt. Ein Kaufmann aus Hamburg hatte den ehemaligen DDR-Betrieb VEB Faserplattenwerk für eine Mark übernommen. Mit im Boot saß auch eine Firma aus Niedersachsen. Schon 1993 soll es bei Bestwood Unregelmäßkeiten gegeben haben. Dabei hielt das Land 75 Prozent der Anteile. Ende 1996 gingen die Lichter aus. Pleite. Ein Skandal, der mit dem Kauf 1991 begonnen hatte, erreichte seinen Höhepunkt. 1991 war der Betrieb schon einmal krachen gegangen. Damals hieß die Unternehmung noch Nordmöbel GmbH.

1953 hatte die DDR das Faserplattenwerk ins Leben gerufen. Es war ein Neuanfang an einer Stelle, wo zuletzt Kriegsgerät produziert worden war. Es war die Walther-Bachmann-Flugzeugbau KG, mit der die Industriegeschichte des Geländes 1934 begonnen hatte. Damals zog Walther Bachmann nach Ribnitz, nachdem er 1923 in Warnemünde die erste deutsche Land- und Seeflugschule aufgebaut hatte. Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) war das Werk ein Rüstungsbetrieb, der Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter einsetzte. Deswegen demontierten die Sowjets nach dem Kriegsende alle brauchbaren Teile der Fabrik und sprengten zahlreiche Gebäude. Mit den verbliebenen Resten begann die DDR eine Möbelfabrik aufzubauen. Der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden baute Fabrik und Produktion systematisch aus. Stellte man anfangs noch Faserplatten aus Rapsstroh und dem Stroh anderer Ölpflanzen her, später verwendete man dafür Zuckerrohrfasern, Holz und Stroh. Ab 1969 produzierte das Faserplattenwerk auch MDF-Platten (mitteldichte Faserplatten) aus Nadelholzfasern. Erfunden in den USA fand die Platte auch den Weg nach Europa. Das Faserplattenwerk wuchs von rund 400 auf mehr als 1700 Werktätige an. Seit 1979 war das Faserplattenwerk der größte Betrieb im neu entstandenen Möbelkombinat Ribnitz-Damgarten, das die DDR-Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg sowie Kunden in der BRD wie zum Beispiel den Quelle-Versand belieferte.

Betriebe in der DDR
VEB Faserplattenwerk
VEB Möbelkombinat Ribnitz-Damgarten
VEB Ostseeschmuck
VEB riled Lederwaren

Wirtschaft in Riebnitz-Damgarten vor 1945
Walther-Bachmann-Flugzeugbau KG (seit 1934)

Quellen
darss-print.de/die-ara-des-faserplattenwerkes/
picclick.de
spiegel.de
wikipedia.org

 

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