Königsberg - Hauptstadt Ostpreußens (seit 1945 Russland: Kaliningrad)

Patifakte - Denkmale deutscher und russischer Geschichte
Fotos: Mikhail Ogorodnikov
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letzte Änderung: 09.10.2021

Wikinger und Kaufleute aus Lübeck legten einst die Grundsteine für die prächtige Stadt am Fluss Pregel. Königsberg war die Schnittstelle des Handels mit Osteuropa. Die Stadt gehörte zur mächtigen Wirtschaftsunion Hanse. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zur deutsche Enklave, umringt von Polen und Litauen. Einzige Verbindung zum deutschen Reichsgebiet war die Ostsee. 1944 schließlich legten Engländer die Stadt mit Fliegerbomben in Schutt und Asche, 1945 marschierten die Russen ein und behielten die Stadt.

Königseck mit Kreuz-Apotheke

Foto: Mikhail Ogorodnikov, mit freundlicher Genehmigung Foto: Mikhail Ogorodnikov, mit freundlicher Genehmigung Foto: Mikhail Ogorodnikov, mit freundlicher Genehmigung Foto: Mikhail Ogorodnikov, mit freundlicher Genehmigung Foto: Mikhail Ogorodnikov, mit freundlicher Genehmigung Foto: Mikhail Ogorodnikov, mit freundlicher Genehmigung

Unglaublich, aber wahr: An der Frunze-Straße in Kaliningrad verfällt ausgerechnet direkt neben der Gazprombank, also der Bank des mächtigsten und reichsten russischen Unternehmens, ein fantastisches Gebäude mit der Kreuz-Apotheke, Bauzeit um 1900, das sich im alten Königsberg an der Königsstraße 73-75 befand. 1987, in der Endphase der Sowjetunion, sollte das Jugendstilbauwerk restauriert werden, wofür seine Bewohner auszogen. Doch weitere Jahrzehnte vergingen und nichts passierte. Die Sowjetunion hatte das Haus verschont. Es wurde bewohnt, während ringsum sozialistische Neubauten entstanden. Seit 1990 wechselte wiederholt der Besitzer. 2013 hieß es, das Bauunternehmen Rossban AG wolle das Haus sanieren. Die AG besaß das Objekt allerdings schon seit 2007 und hatte der Stadt versprochen, es in Ordnung zu bringen. 2003 schon wollte die Stadtverwaltung das Bauwerk abreißen lassen, doch Kaliningrader protestierten und die Medien stimmten ein in den Protest. Denkmalschutz ist ein Stiefkind geblieben in Kaliningrad, von wenigen Privatinitiativen einmal abgesehen. 2015 schätzte der ortskundige Immobilienexperte Uwe Erich Niemeier die Kosten einer Sanierung des Objekts auf mehr als 3,5 Millionen Euro. Den Wert der Immobilie taxierte er mit faktisch Null, doch das Grundstück darunter mit zwölf Millionen Euro. Im Mai 2018 stürzten erhebliche Teile der Fassade ein, nachdem zwischenzeitlich mit der Sanierung des Objektes begonnen worden war. (Siehe Video!)

Das Königseck überstand als eines der wenigen Gebäude in Königsberg den verbrecherischen Bombenterror der Engländer im August 1944, wo auch Napalm zum Einsatz kam, ein tödliches Brandmittel, das große Hitze erzeugt, an der Haut haftet und mit Wasser nicht zu löschen ist.

das Königseck bei Google maps als Street view

Wirtschaft in Königsberg bis 1945
AG Brauerei Ponarth Königsberg
Aktien-Brauerei Schönbusch zu Königsberg (gegr. 1871)
Carl Petereit AG (gegr. 1919, Herstellung und Vertrieb von Weinbrand, Spirituosen, Likören, Weinen, Fruchtsäften, Spiritus und anderen Artikeln)
Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke AG
F. Schichau GmbH Elbing Danzig Königsberg (Schiffswerften, Lokomotivfabrik, Maschinenfabrik, Gießerei und Schmiede, Stahl- und Brückenbauanstalt)
Johann Gumbold Kunstgewerbliche Möbelfabrik, Münzstr. 25-26 (gegr. 1875)
J.O. Preuss AG (gegr. 1921 unter Übernahme der gleichnamigen oHG, gegr. 1877)
Julius Dumcke Likörfabrik und Weingroßhandlung (gegr. 1849)
Kohlensäure- und Bierdruck-Apparate-Fabriken Oster &am; Co. GmbH (Fabrikation von Kohlensäure, Sauerstoff, Flüssiger Luft, Bierdruck-Apparaten, Eisschränken, Repositorien, Ladeneinrichtungen)
Koholyt AG
Königsberg-Cranzer Eisenbahn-Gesellschaft (gegr. 1885)
Königsberger Hartungsche Zeitung und Verlagsdruckerei AG (seit 1872)
Königsberger Kartonnagen-Fabrik Gebr. Schaack (Packpapier-, Wellpappen- und Pappen-Großhandlung, Spezialität: Reklamekartons für Konfektion und Damenhüte, eigene Prägerei: Anfertigung von Postversand-, Mützen-, Kranz-, Blumen-, Herz-, Konfitüren-, Fleisch-, Eier-, Butter-, Käse-, Zigaretten-, Muster- und Lagerkartons in solider Ausführung und billigsten Preisen; Zweigfabrik: Danziger Kartonnagen-Fabrik Schaack & Bloch, Danzig-Langfuhr, Hauptstr. 23)
Königsberger Kühlhaus und Kristall-Eis Fabrik AG
Königsberger Lagerhaus Aktiengesellschaft (gegr. 1896, Getreidespeicher 1911/12 auf rund 60.000 Tonnen erweitert und damit größter Getreidespeicher Europas)
Königsberger Mühlenwerke Aktiengesellschaft (Mühle 1889 gegr., Fabrikate aus Erbsen, Hafer und Gerste, Handel mit Hülsenfrüchten)
Matzdorf & Glaser Damen-Mäntel-Fabrik, Kantstr. 3/4 (Mäntel, Kostüme, Röcke)
M. Mathias & Co. Schirmfabrik
Odinwerk Maschinenfabrik und Gießerei Bartlick und Rägler
Ostdeutsche Waagenfabrik (Ost-Waag, Inhaber: Otto Schäfer)
Oster & Co. (Herstellung von Hochdruck-Gaszylindern)
Ostpreussische Kleinbahnen-Aktiengesellschaft, Königsberg
Pertrix Ostpreußische Elemente- und Batteriefabrik GmbH
Samlandbahn-AG, Königsberg
Todtenhöfer A.G. (gegr. 1895, Handel und Fabrikation von Fahrrädern)
Viktoria Gießerei und Maschinenfabrik Fritz Wittmoser (Bau von Waffenteilen)
Waggonfabrik L. Steinfurt AG, Königsberg (gegr. 1830,, einer der ältesten Lieferanten der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, Eisenbahnwaggonbau seit 1865)
Zellstoff-Fabrik Königsberg

Eintrag im Brockhaus von 1894
Es bestehen mehrere sehr bedeutende Eisengießereien und Maschinen-, besonders Lokomotivfabriken, darunter die Union, ferner Dampfmühlen, Holzschneidewerke, Brennereien, Fabrikation von Tabak und Cigarren, Zündhölzern, Klavieren, Dachpappe, Asphalt, Holzcement und Mineralwasser, 13 Brauereien in und drei vor der Stadt. Berühmt ist die Marzipanfabrikation.

Links
wunderbare Artefakte in Russland (russisch)
Wiederbelebung des Marzipans aus Königsberg
echtes Königsberger Marzipan nach Deutschland gerettet
Königsberger Marzipan in Berlin

 

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